Kalaris sind traditionelle südindische Ausbildungsstätten, in denen seit Jahrhunderten unter anderem Kampf- (Kalarippayat) und Heilkunst (Kalari Chikitsa) unterrichtet und praktiziert werden. Die Kunst des Kämpfens und Heilens wurde von den Draviden (Ureinwohnern) im Süden Indiens, dem heutigen Staat Kerala, schon vor Jahrtausenden praktiziert. Mit dem Vordringen arischer Stämme, die bald ganz Indien besiedelten, vermischten sich die Kultur und das Wissen der Arier mit dem der Draviden.
So ergänzten sich auch Kampf- und Heilkunst beider Kulturen und schufen ein komplexes, wissenschaftlich fundiertes System, das heutige Kalarippayat (kurz: Kalari). Den Formen und Übungen des Kalari liegt ein ähnliches energetisches Konzept zugrunde wie dies beim Yoga und Tantra der Fall ist.
Der Legende zu Folge stellt das Kalarippayat die Mutter aller Kampfkünste dar. Der buddhistische Mönch Bodhidharma aus dem südlichen Indien machte sich demnach auf, um China zu erkunden und zu bekehren.
Er war der 3. Sohn eines indischen Fürsten und von seiner standesgemäßen Erziehung her wohl vertraut mit den traditionellen Kampfkünsten, auch dem Kalari.
Am Ende einer Pilgerfahrt ließ er sich im Norden Chinas nieder, im heute legendären Shaolin Tempel. Dort lehrte er den Buddhismus und Körperübungen, die die Mönche in die Lage versetzten, sich fit und gesund zu halten, aber gleichzeitig Selbstverteidigungstechniken darstellten. Aus diesen Techniken entwickelte sich später das heute weltbekannte Shaolin Kung Fu.
In der Kolonialzeit von den Engländern streng verboten, erloschen die Linien vieler Kalari-Meister. Nur einige konnten im Geheimen lehren und lernen. Heute erlebt das uralte Wissen und die Kunst des Kalarippayat wieder den Beginn einer hoffentlich lang andauernden Blütezeit.
Neben der Fähigkeit sich selbst verteidigen zu können, erlangt man durch das Kalaritraining ein außerordentliches Maß an Ausdauer, Kraft, Flexibilität und Explosivität.
Vor allem durch das Partnertraining werden neben Reaktion und Distanzgefühl auch charakterliche Attribute wie Verantwortungsgefühl, Respekt und Selbstrespekt vermittelt.Es geht um die Perfektionierung der eigenen Fähigkeiten und Persönlichkeit und nicht darum jemandem Schaden zuzufügen. Diese Perfektionierung kommt dem Trainierende in allen Bereiche des Lebens zugute. Sei es Schule, Beruf, Freizeit oder Familie.
Steffen Geißler ist Meisterschüler und zertifizierter Lehrer des Großmeisters C.M. Sherif Gurukkul von der Kerala Kalarippayat Academy in Kannur, Kerala – Indien.
Er unterrichtet alle drei Stile des Kalarippayat. Das Training kann über den SV Ettenbüttel, in Form von Seminaren (auch in Wien) oder in Form von Einzelunterricht stattfinden.
Sie auch: www.kalarippayatacademy.com